Altglas

Ich hatte schon länger im Kopf wieder ein manuelles Objektiv zu kaufen.

Erfahrungen damit habe ich mit meiner Sony Alpha 6000 in Verbindung mit dem 12mm / f2.0 von Samyang gesammelt.

Das Samyang war als Ultraweitwinkel natürlich für Landschaften gedacht. Selbst bei den ersten Versuchen erzielt man sehr gute Ergebnisse.

Natürlich Blende 8, den Fokus auf das nächstgelegene Objekt und die Schärfe reicht bis zum Mond. Mit dieser Brennweite kein Problem.

Eine große und für mich neue Hilfestellung war das Focus Peeking bei der Sony. Kontrastkanten werden im Sucher/Display farbig markiert so das man wirklich sehr einfach den gewünschten Fokuspunkt finden kann.

 

Nun wollte ich allerdings eine Brennweite die ihren Einsatz nicht nur vorzugsweise in einer bestimmten Disziplin der Fotografie hat.

Ich habe bisher für meine Alpha 7iii noch kein 50mm Objektiv angeschafft.

Ist ja quasi ein must have für jeden, egal ob MFT, APSC, oder Kleinbild.

Klar wird damit auch viel People gemacht aber ähnlich wie ein 35mm Objektiv ist die Brennweite sehr flexibel einsetzbar und passt auch gut zu jedem Spaziergang oder einem Gang durch die Stadt um schöne Motive einzufangen.

Meine Entscheidung viel, auch aus Kostengründen, auf ein manuelles 

Minolta MD 50mm/f 1.7

Viele dieser Gläser kann man sehr preiswert, oft in tollem Zustand auf den üblichen Auktionsplattformen ergattern..

Zudem benötigt man einen Adapter der es einem erlaubt die Objektive mit seinem Anschluss an der Kamera zu verbinden.

Einmal alles vor Ort ist der Umgang dann ziemlich einfach.

Objektiv mit Adapter an die Kamera, kleine Einstellungen an der Cam vornehmen und los gehts.

Bei einer Offenblende von f1.7 an Kleinbild ist die Freistellung und der Schärfeverlauf echt beeindruckend mit diesem Objektiv. Es hat nun schon viele Jahre auf dem Buckel und bildet immer noch dort scharf ab wo es soll. 

Über das gesamte Bild kommen es natürlich nicht an die heutigen High End gerechneten Objektive heran aber genau das macht den Charme dieser Gläser aus. Ihre kleinen Fehler, ihr besonderer Look der eben nicht so clean ist wie bei aktuellen Produkten.

Die besondere Freude im Umgang mit manuellen Optiken ist die Tatsache das man wieder richtig fotografiert. Keine (Halb-) Automatik die einen unterstützt.

Blende einstellen, Fokus finden alles geschieht von eigener Hand am Objektiv.

Das bringt einen wieder ein bisschen zurück zum Ursprung der Fotografie. Natürlich sind der elektronische Sucher oder das Display, Features die es vor vielen Jahren noch nicht gab aber das Peeking kann man auch abschalten wenn man die Unterstützung nicht möchte.

Ich finde es macht Freude den Schärfeverlauf zu beobachten wenn man sein Motiv Scharfstellen möchte. Es zeigt einem wie sich der Fokus im Bild bewegt und das man wirklich von Ebenen sprechen kann, die sich verschieben, wenn man den Fokusring bedient.

Mit einer Festbrennweite muss man sich sowieso mehr bewegen als mit einem Zoom und wenn man dann noch sein Foto manuell gestaltet bringt das nochmal eine andere Qualität finde ich.

Natürlich kann man auch hier wieder von mehr Ruhe und Achtsamkeit bei der Fotografie sprechen. Man ist wieder tiefer im Thema. Die Herausforderung das Bild an dem Punkt scharf zu bekommen wo man es möchte und die Zeit die man sich dafür halt nehmen muss um sein Ergebnis zu erzielen.

In meinem Daily Projekt bei Instagram habe ich bisher ausschließlich mit meinem 35mm fotografiert. Seitdem ich das Minolta habe bin ich fast nur noch damit unterwegs. 

Ich bin total begeistert davon damit umzugehen und finde die Ergebnisse die am Ende dabei herauskommen toll. Das Bokeh ist der Hammer und der Look gefällt mir ohne viel post production super gut.

Es ist natürlich logisch das ein Altglas nicht zu jeder Situation passt. Manchmal muss es eben schnell gehen wie beim Sport oder bei der Streetfotografie. Spielende Kinder damit einzufangen stelle ich mir auch denkbar schwierig vor. Aber früher hat das ja auch irgendwie funktioniert.

Ich möchte bei allem Spass an der Sache trotzdem nicht auf die technischen und optischen Vorzüge der heutigen Produkte verzichten.

Aber hin und wieder einen Schritt zurück machen, sich Zeit nehmen und darauf einlassen sich intensiv damit beschäftigen zu müssen was und wie man fotografiert bereitet schon Freude.

Auf dem Einkaufszettel steht schon ein Minolta 135mm. Mal schauen. Wenn es mal passt wird das sicher auch noch bei mir einziehen.

Ich habe nun die Wahl welchen Weg ich einschlagen möchte.

Mit Zeit und Muße Fokusring und Blendenring bedienen. Konzentrieren ob die Schärfe sitzt oder den Autofokus die Arbeit machen zu lassen. Keine Sorgen ob das Auge wirklich im Fokus ist. Auch bei schnelleren Bewegungen keinen Ausschuss produzieren. Beides kann ich machen und habe an beiden Wegen Freude, auch wenn sie noch so unterschiedlich sind.

Schöne Woche euch.

Cheers

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