Engel

Das erwähnte letzte Shooting für dieses Jahr ist vollbracht.

Vielleicht vorab eine kleine Vorgeschichte.

Ich habe mit diesem Model nicht zum ersten Mal versucht ein paar schöne Bilder zu erstellen.

Schon im Sommer haben wir ein Shooting geplant und der Kreativität freien Lauf gelassen.

Um bei der Wahrheit zu bleiben, ich hatte kaum eine Ahnung was auf mich zukommt  und war halt der, der schöne Bilder machen kann. Das Model hat ähnlich viel Routine vor der Kamera gehabt wie ich im Umgang mit People Fotografie.

Somit sind wir in der bestmöglichen Konstellation aufeinander getroffen.

Im Fußball würde man sagen: Da trifft Not (das Model) auf Elend (der Fotograf).

Viele tolle Ideen aber keine Ahnung wie man es umsetzt. Ich, als blutiger Rookie, war in der Not des Models in Sachen Posing und Mimik überhaupt bis garkeine Hilfe. 

Ich war damals, am Ende, froh das die Bilder technisch halbwegs gut waren.


Nichtsdestotrotz haben wir überlegt ein weiteres Shooting zu planen. Irgendwann stand der Termin und wir haben vorher sogar etwas genutzt das man Mood Board nennen kann. Wir haben Bilder ausgetauscht die wir im Netz gefunden haben und uns am Ende auf fünf Motive geeinigt. Es stand fest das der Engel auf jeden Fall dabei ist. Der Wunsch des Models den ich gerne erfüllen wollte.

Es konnte also dieses Mal ein bisschen strukturierter und entspannter werden.

Am Nachmittag begannen meine Vorbereitungen. Requisiten zurecht legen, Batterien für die Dauerlichter waren geladen. Faltbarer Hintergrund war am Start, Ringlicht stand ebenfalls im Täschchen parat.

Ich habe mich anfangs für Dauerlicht entschieden da man die Lichtführung sofort erkennen kann, im Gegensatz zum klassischen Blitz. Dachte ich...


Das Shooting konnte beginnen.

Wir fangen mit dem Close Up Portrait an. Zack, Ringlicht aufgebaut, Stecker in die Dose, Licht an und dem Model erstmal ordentlich die Augen verblitzt. Es war natürlich auf 100% Leistung eingestellt. Guter Start.

Das Licht hatten wir irgendwann im Griff, allerdings waren wir mit unseren Bildern nicht besonders nah am Original. Meiner Meinung nach kein Problem aber ich bin froh wenn ich bei einem der Workshops, die ich nächstes Jahr besuchen werde, Tipps bekomme wie man einen Menschen in die Stimmung versetzt die man sich wünscht. Nur Licht machen und dummes Zeug labern reicht da leider nicht aus.

Am Ende gab es meiner Meinung nach ein paar schöne Aufnahmen die man ganz sicher zeigen kann. Mal eben ein einfaches Portrait zu schiessen ist halt doch nur semi einfach.


Wir haben uns emsig an den anderen Motiven versucht und sind nach der ersten Durchsicht der Bilder, der Meinung das wir gutes Teamwork geleistet haben. Ich habe zwischendurch die Kamera abgegeben und gesagt das ich unser Motiv gerade nicht verstehe. Somit war das Model dann auch ein bisschen Fotograf und wir haben uns das Set zusammen erarbeitet.

Wir haben zwischendurch auch einige nette Outtakes produziert, da Modelposen nicht immer einfach nachzumachen sind. Ich habe mir erspart mich zu verbiegen. Das wäre sinnfrei gewesen. Dafür hat der Hintergrund beim Umfallen das Ringlicht zu Boden geschubst und ich habe mit meinem Hintern die Lichtstative mit Dauerlicht gekegelt.

Homeshooting halt und als Profi immer den Überblick behalten. Von mir kann ich getrost das Gegenteil behaupten. Aber Übung macht den Meister.


Der Engel war natürlich die größte Herausforderung. Das Bild musste gut werden.

Ich war nach einigen Versuchen nicht zufrieden mit dem Licht. Die Dauerlichter sind bestimmt gute Aufheller und verrichten ihren Dienst sehr gut wenn es darum geht punktuell Licht zu setzen aber mit einer Softbox und Blitz können sie nicht mithalten. Also schnell noch die Octabox angeschleppt und schon wurden die Ergebnisse besser. Bei diesem Motiv waren wir beide schnell zufrieden mit den Ergebnissen und haben noch einige Fehlversuche mit einem anderen Set probiert.

Schlussendlich haben wir dann beschlossen das wir einen Haken dranmachen und das Buch für den Abend zuklappen.


Zusammenfassend bin ich sehr dankbar mal wieder einen Menschen gefunden zu haben der sich auf mich eingelassen hat. Wir haben schöne Arbeiten erstellt, hatten einen gelungenen Abend mit grippalen Einschränkungen bei der Muse, die allerdings wacker durchgezogen hat. Chapeau an dieser Stelle.

Eine weitere, nicht neue Erkenntnis, ist die Tatsache das der Weg zu einem Peter Hurley noch ein sehr weiter ist.

Der erste Workshop ist für Ende Februar gebucht. Der nächste Schritt auf einem langen Weg.


Ich werde den Rest der Woche noch ein bisschen an den Bildern arbeiten um hoffentlich eine kleine Freude zu bereiten zu können.

 

Ich wünsche euch vorab einen geruhsamen dritten Advent.

Seht zu das ihr langsam zur Ruhe kommt und euch nicht vom Santa Fieber anstecken lasst.

Schöne Restwoche!

 

Cheers

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Kommentare: 1
  • #1

    Detlef (Dienstag, 10 Dezember 2019 21:53)

    Hallo Olaf,
    ich gebe zu, beim Lesen musste ich an der einen oder anderen Stelle ein wenig schmunzeln. Nein, absolut keine Schadenfreude oder etwas ähnlich doofes, mehr eine Erinnerung an meinen peinlichen „Auftritt“ bei meinem lokalen Fotohändler. Ich war zufällig im Geschäft als Panasonic die S1 mit einem Modelshooting vorstellte. Der Panasonic Mitarbeiter fragte mich ob ich Lust hätte die Kamera auszuprobieren. Na klar, dachte und sagte ich. Wir machten uns auf den Weg in den Eingangsbereich des Geschäfts wo ein kleines „Studio“ mit Blitzanlage, Dauerlichtern und Hintergrund aufgebaut war. Ich hatte und habe null Ahnung vom Blitzen, dachte aber, was soll schon passieren, der Typ ist ja dabei und wird mir alles einstellen. Beim Model angekommen ertönte sein Name durch den Laden. Telefon! Er guckt mich an und fragt: Kommste klar? Logo, war meine Antwort allerdings nicht ohne einem grummeln im Magen. So stand ich dann vor dem Model ohne jeden Plan. Ich glaube, ich habe aber wichtig ausgesehen und schon blieben zig Leute stehen um zuzusehen was der Profi da jetzt wohl treibt. Mit Schweißperlen auf der Stirn schaute ich das Model an, fummelte an der Kamera rum, und machte das erste Foto. Ergebnis: Schwarzer Adler auf schwarzem Hintergrund. Fummelte weiter, schwitzte noch mehr, und löste aus und löste aus. Das Model gab alles und ich produzierte digitalen Schrott. Irgendwann hatte ich das dann aber raus mit der Belichtungszeit und ganz langsam konnte man sogar das Model erkennen �
    Als sie dann fragte wie die Bilder aussehen war es voll peinlich als ich durch die schwarzen Bilder scrollte �
    Sie war aber total nett und zum Ende gab es Bilder die ihr auch gefallen haben.... Den Laden habe ich schweißgebadet verlassen.... daran habe ich mich erinnert als ich Deinen schönen Beitrag las....
    Kennst du das Buch „manche Fehler muss man selber machen“?
    Schönen Abend noch!