Photowalk Ruhrpott

Die erste Woche des neuen Jahres ist gelaufen.

Siehe da, es ist nicht viel passiert.

Ok, die Tragödie in Krefeld und das verheerende Feuer in Australien mal aussen vor. Darüber wurde ,insbesondere im Netz, schon das meiste gesagt.

Ich möchte trotzdem nach vorne schauen und mich auf einen Termin im März freuen.

Mal wieder angestossen durch den Photologen Campus, soll ein Photowalk im Ruhrpott stattfinden.

Ich lebe zwar nicht unmittelbar im Pott aber auch nicht ganz weit weg davon.

Durch die Nähe zur Kohle und zum Stahl schlägt hier mit Sicherheit das Herz sehr ähnlich wie in Herne oder Bochum.


In der bisherigen Vorbesprechung wurden Bilder gemalt wie zum Beispiel der Arzt und der Müllmann die sich auf eine Flasche Bier an der Bude treffen bzw. begegnen.

Um bei dem Beispiel zu bleiben, es ist sicherlich so das Menschen dieser Berufsgruppen durchaus eine gepflegte Nachbarschaft leben können. Hier, und ganz sicher auch in jeder anderen Region Deutschlands.

Das die beiden Männer gemeinsam ein Bierchen trinken ist ebenfalls nicht abwägig.

Das sie das gemeinsam an einer Bude / Büdchen / Kiosk machen halte ich eher für unwahrscheinlich. Diese Situationen gab es ganz bestimmt, sie sind allerdings schon viele Jahre her. Die Erinnerung lebt wohl in den Köpfen der Menschen weil es damals üblich war nach der Schicht "anne Bude" ein Bier mit den Kollegen zu trinken. Die Trinkhalle war ein Treffpunkt an dem man sich auf ein Bierchen kurz Hallo gesagt hat. Für einige ein Ritual, für die anderen ein ein kleiner Plausch unter Nachbarn. Früher waren die Leute noch ein bisschen enger beisammen als sie es heute sind.


Ich behaupte das es diese Form der Nachbarschaftspflege heute kaum noch gibt. Natürlich sind Buden hier immer noch verbreitet und das ist gut so. Wo soll man sonst Sonntagmorgens seine Butter herbekommen? Die Trinkhallen halten meist einen kleinen Vorrat an Lebensmitteln vor, die schon mal knapp werden. Der Kaffee der beim Samstagseinkauf vergessen wurde aber auch den Sekt der für ein spontanes Sektfrühstück benötigt wird. Die Trinkhalle kann immer noch ein Treffpunkt sein. Heutzutage trifft man sich aber eher auf einen Kaffee oder maximal auf eine Zigarette dort.

Bier wird nicht mehr vor der Türe getrunken, geschweige denn im Kiosk selbst.


Die Zeiten haben sich halt geändert. Trinkt man mit zwei oder mehr Männern auf offener Straße eine Flasche Bier am Kiosk, möchte ich nicht im Detail wissen was die vorübergehenden Passanten denken.

Wenn ich dann zum Anfang gehe frage ich mich ob wir das beim Photowalk überhaupt sehen wollen. Ich glaube nicht das der Ruhrpott nur für Bier trinkende Menschen steht.

Mich würde an dieser Stelle eher interessieren wie weit die Integration wirklich funktioniert. Das macht den Ruhrpott nach wie vor aus. Viele kulturelle Gruppen die zum Teil auf engem Raum zusammenleben. Ich bin sicher das die Situation eher schlimmer als besser geworden ist.

Wo es früher die Kumpel waren die in bestimmten Stadtteilen gemeinsam die Schicht und den Alltag bestritten haben, gibt es heute wohl keine große Durchmischung mehr. Es bilden sich einzelne Gemeinschaften die sich isolieren und abschotten. Manchmal werden die Anwohner auch genötigt ihre Heimat zu verlassen um dem modernen Wohnungsbau die Möglichkeit zu geben ein stylisches Viertel aufzubauen das sich nur noch die wenigsten leisten können. Das ist die Realität im Ruhrpott.


Schnell fallen die Begriffe wie "no go Areas". In vielen Fällen wird das durch die Presse befeuert. Es gibt auf jeden Fall Ecken durch die ich abends nicht alleine laufen würde aber so dramatisch wie es dargestellt wird ist es sicher nicht.

Das ist allerdings auch dem Wandel der Zeit geschuldet. Es passieren tatsächlich mehr schlimme Dinge als in meiner Jugend. Sicher gab es damals auch Reibereien mit den verschiedensten Landsleuten, allerdings waren die Begegnungen eher vergleichbar mit dem Balzverhalten des Rotwilds. Viel Rauch um nichts halt.


Für mich wäre es interessanter bei dem Photowalk eine Reportage zu erstellen die darstellt wie es heute in den sogenannten Hotspots des Ruhrpotts wirklich zugeht. Mit den Menschen in Kontakt treten um zu erfahren wieso und warum vieles so ist wie es ist. Einen türkischen Tee trinken und mit alteingessesenen sprechen wie der Wandel vonstatten gegangen ist.

Im Gegensatz dazu natürlich auch den Strukturwandel darstellen. Es sind viele neue Arbeitsplätze entstanden, fernab von Kohle und Stahl. Nicht zu vergessen, die großzügigen grünen Oasen die das Ruhrgebiet bereitstellt. 


Ich bin tatsächlich gespannt auf die Reaktion der auswärtigen Mitstreiter, wenn wir in die alten und traditionsreichen Stadteile der Region eintauchen. Ich bin sicher das viele sich erschrecken werden und sich Gedanken über das Bild machen welches wir täglich vor Augen haben.

Ich lebe nach wie vor gerne hier und bin froh das sich die Menschen immer noch gerne auf ihre Herkunft und ihre Tradition berufen. Unser "watt" und "datt" und "datt ma effkes umme Ecke" gehen, wird uns für den Rest Deutschlands immer zu Ruhrpottlern machen. Das ist gut so und soll noch lange so bleiben.


Ich bin mir sicher das wir mit vielen tollen Eindrücken von dieser Veranstaltung wieder nach Hause gehen werden. Wir haben ganz sicher viel Spaß und haben hoffentlich tolle Begegnungen und Gespräche mit den Bewohnern des Ruhrpott's.

 

In diesem Sinne, Glück Auf!

Schöne Woche noch und schön an die guten Vorsätze denken.

 

Cheers

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